Mit dem Hausboot von der Müritz nach Berlin – Etappe 1: Aufbruch im Abendlicht

Am Morgen noch die Funkprüfung, am Abend schon unterwegs: Am 20. September 2026 begann unsere Überführungsfahrt mit Luxboot ENRIKA nach Berlin. Die ENRIKA, Baujahr 2025, ist das jüngere Schwesterschiff unserer Luxboot ELISA aus dem Jahr 2024.
Vor uns liegen vier geplante Reisetage: von Waren über die Müritz und die Mecklenburgische Kleinseenplatte, weiter über die Havel bis nach Berlin. Unsere Streckenplanung umfasst rund 195 Kilometer und 16 Schleusen. Wenn Wetter und Schleusenbetrieb mitspielen, erreichen wir am 23. September die Citymarina Berlin-Rummelsburg. Unsere Erlebnisse halten wir hier im Blog fest.

Goodbye summer – eine neue Reise beginnt
Auf der Müritz wird es langsam ruhiger. Die Luft wird frischer, die Sonnenuntergänge kommen früher – und im Hängesessel auf der ELISA wird die Kuscheldecke zum Lieblingsbegleiter.
Diesen Abschied vom Sommer haben wir in unserem ersten Instagram-Reel festgehalten. Nun beginnt mit der ENRIKA das nächste Kapitel: unsere Fahrt nach Berlin.
Erst die Funkprüfung, dann aufs Wasser
Der Tag hatte es bereits vor dem Ablegen in sich. Am Morgen bestanden wir bei der Bootsfahrschule Müritz unsere UBI-Prüfung für den Binnenschifffahrtsfunk. Damit ist ein weiterer wichtiger Punkt für unsere Fahrt durch Berlin vorbereitet: Wir möchten auch tagsüber am Reichstag vorbeischippern und für den Funkverkehr auf der Berliner Innenstadtspree gewappnet sein.
Währenddessen zeigte sich das Wetter wenig entgegenkommend. Über den Tag fegte ordentlich Sturm über die Müritz. Erst gegen Abend ließ der Wind nach und eröffnete uns ein Zeitfenster für den Start.

Um 19:11 Uhr hieß es: Leinen los!
Eine direkte Querung über die offene Müritz kam für uns unter diesen Bedingungen nicht infrage. Stattdessen nahmen wir den längeren Weg entlang der Westseite, vorbei an Schloss Klink in Richtung Röbel und später weiter Richtung Rechlin. Das kostete Zeit – und bedeutete, dass ein guter Teil unserer ersten Etappe in die Dunkelheit fallen würde.
Schon unterwegs beschäftigte uns die Navigation durchgehend: Kartenbild prüfen, Leuchtfeuer erkennen,
Position abgleichen. Mit schwindendem Tageslicht bekamen die Lichter auf dem Wasser eine ganz andere Bedeutung.
Ein Wiedersehen auf der Müritz

Etwa auf halber Strecke, bei Kilometer 162 am Steinhorn, gab es eine schöne Begegnung: Uns kamen unsere Freunde von der Bootsfahrschule Müritz entgegen. Am Morgen hatten wir noch gemeinsam das Thema Binnenfunk auf dem Programm gehabt, nun trafen wir uns draußen auf dem Wasser wieder.
Sie waren auf dem Rückweg von einem Havarieeinsatz bei Rechlin. Soweit wir es im kurzen Austausch verstanden hatten, war dort ein Boot auf Grund gelaufen und musste freigeschleppt werden.
Ein kurzes Hallo, gegenseitig eine gute Fahrt gewünscht – dann trennten sich unsere Wege wieder: Sie fuhren zurück Richtung Waren, wir weiter nach Süden.
Tonnen suchen im Mondlicht

Bei Zielow, auf dem Weg in den südlichen Teil der Müritz, wurde es navigatorisch anspruchsvoller. Inzwischen war es richtig dunkel. Die unbeleuchteten Tonnen mussten wir jeweils ausmachen und mit der Karte abgleichen, um sicher im Fahrwasser zu bleiben. Was bei Tageslicht gut zu überblicken ist, verlangt nachts deutlich mehr Aufmerksamkeit.
Auf der Weiterfahrt Richtung Mirow kam eine weitere Besonderheit hinzu: Die Betonnung wechselte aus unserer Fahrtrichtung die Seiten. Hatten wir zuvor die grünen Tonnen an Steuerbord, also rechts, und die roten an Backbord, also links, lagen sie anschließend umgekehrt. Da hieß es noch einmal besonders bewusst hinschauen und das Kartenbild mit dem abgleichen, was tatsächlich vor uns lag.
Das Mondlicht war auf diesem Abschnitt ein willkommener Begleiter. Es erleichterte die Orientierung auf dem Weg durch den Sumpfsee und hinein in den Mirower Kanal. Trotzdem blieb es bis zum Anlegen eine Fahrt, die unsere volle Aufmerksamkeit verlangte.
Um 23:30 Uhr: Leinen fest
Um 23:30 Uhr erreichten wir schließlich unseren Nachtliegeplatz: einen WSA-Anleger hinter der
ehemaligen Eisenbahnbrücke über den Mirower Kanal.
Nach vier Stunden und 19 Minuten war die erste Etappe geschafft. Leinen fest, Motor aus.
Für uns endete hier ein langer Tag: morgens die bestandene Funkprüfung, abends der Aufbruch und schließlich die Ankunft im Mondlicht.
Luftfahrtgeschichte am Nachtliegeplatz
Ganz in der Nähe liegt der Flugplatz Müritz Airpark in Lärz, Kennung EDAX – ein Ort mit einer langen Luftfahrtgeschichte. Seine Anfänge reichen bis in die Jahre 1916 bis 1918 zurück; ab 1939 entstand dort eine betonierte Start- und Landebahn in West-Ost-Richtung.
Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Lärz zum Erprobungsbetrieb der Luftwaffe. In dessen später Phase wurden hier auch frühe Strahlflugzeuge wie die Messerschmitt Me 262, die Arado Ar 234 und die Heinkel He 162 erprobt. Technisch ein bedeutendes Kapitel der Luftfahrtgeschichte, zugleich eng mit dem Krieg verbunden.
Nach dem Krieg nutzten sowjetische Luftstreitkräfte den Standort. Über die Jahrzehnte waren hier unterschiedliche Flugzeugtypen stationiert oder im Einsatz: von der Lawotschkin La-9 und der Antonow An-2 über die MiG-15, MiG-17 und MiG-19 bis zur Suchoi Su-7 und später zur MiG-27.
Erst 1993 endete mit dem Abzug der nun russischen Streitkräfte diese rund 48-jährige militärische Präsenz. Mehr zur Geschichte des Flugplatzes Müritz Airpark.
Wie geht es weiter?
Für die nächste Etappe ist die Fahrt über Mirow, Diemitz, Canow und Strasen nach Fürstenberg und weiter Richtung Regow geplant. Nach der offenen Müritz erwarten uns kleinere Seen, verbindende Wasserwege und die ersten Schleusen dieser Reise. Wie weit wir tatsächlich kommen, entscheiden Wetter, Schleusenbetrieb und der Verlauf des Tages.
Die erste Nacht unterwegs. Berlin liegt noch vor uns.

Kommt mit an Bord!
Die ausführlichen Etappenberichte findet ihr hier im Luxboot-Blog. Weitere Einblicke und Videos teilen wir auf unseren Kanälen:
Und wenn ihr selbst Lust auf eine Auszeit auf dem Wasser bekommen habt: Auf luxboot-elisa.de findet ihr unser Hausboot und die Buchungsmöglichkeiten für euren Urlaub auf der Müritz.



Kommentare